|
Bewertung der "Musica Sacra" in der Liturgie im Laufe der Jahrhunderte:
In der Urkirche gab es keine Instrumentalmusik, der festliche Lobpreis Gottes ist automatisch Gesang. Im Mittelalter wurden diese Gesänge weiter ausgeformt und aus den kantilierten Texten entstanden die Gregorianischen Gesänge (vgl. Gregorianik).
Die erste tiefgreifende Neu-Bewertung der Musik geschah 1903 durch Pius X. In seinem Handschreiben "Motu proprio" erklärt Pius X die Gregorianik und die Volkalpolyphonie Palästrinas zur einzig wahren Kirchenmusik. Er schreibt, dass die "Musik die Dienerin der Liturgie" ist, nicht umgekehrt. Moderne Musik (etwa Mozart- und Haydnmessen mit großem Orchester oder Improvisation) war untersagt. Jeder Kirchenmusiker hatte einen Plan mit Literatur vorzulegen und genehmigen zu lassen.
Im Jahre 1947 erschien eine neue Enzyklika "Mediator Dei" von Pius XII. Dort wurde der Volksgesang gestützt, da "Singen Ausdruck der Liebe und des Glaubens" ist. Zu dieser Zeit wurden auch Frauen in den Chören zugelassen.
Erst das Zweite Vatikanische Konzil stellte den Wert der Kirchenmusik in den heute bekannten Kontext. Die Musikinstruktion von Pius XXIII von 1967 stellte klar, dass "Musik Teil der Liturgie" ist. Sie ist wahre Kunst. Sie soll handwerklich gut gemacht, aber klar verständlich sein.
Im Jahr 2003 wurden die Handschreiben von 1903 und 1967 durch ein weiteres Dokument von Johannes Paul II weiter aufgewertet.
Gesangbücher (heute Gotteslob):
Entwicklung der Gesangbücher im Laufe der Jahrhunderte:
16. Jahrhundert:
1537 "Erstes Katholisches Gesangbuch" durch Michael Vehe
1589 die Diözese Bamberg gibt das erste Diözesan-Gesangbuch heraus.
17. Jahrhundert:
1623 "geistliches Psälterlein" herausgegeben und gedichtet von Friedrich von Spee
1657 "Heilige Seelenlust" herausgegeben von Johannes Scheffel/Angelus Silesius
1677 Gesangbuch im Bistum Münster
18. Jahrhundert:
keine speziellen Entwicklungen
19. Jahrhundert:
1848 Cäcilianismus - Wunsch nach Einheitsgesangbuch entsteht
20. Jahrhundert:
1916 23 Einheitslieder
1930 in der Krypta von Maria Laach wird die erste deutsche Messe gefeiert
1943 das "Deutsche Amt" wird zur Gewohnheit
1947 74 Einheitslieder
1963 Planungen für das heutige Gotteslob beginnt
1975 Der Stammteil des Gotteslobes erscheint
Eine Überarbeitung des "Gotteslobes" ist in Arbeit.
Psalmen:
Die Psalmen stammen aus dem Alten Testament (Buch der Psalmen). Sie werden König David zugeschrieben, der aber vermutlich diese Texte nur gesammelt hat (vgl. Gregorianik stammt nicht von Papst Gregor, sondern wurde von ihm gesammelt). Die frühen Christen übernahmen die Psalmen als Lesungstexte. Die Zählweise ist hebräisch und griechisch-lateinisch unterschiedlich. Die Einheitsübersetzung benutzt die hebräische Zählweise, die griechisch-lateinische steht jeweils in Klammern. Es gibt insgesamt 150 Psalmen, die in folgende Gattungen unterteilt werden können:
Lobpsalm
Dankpsalm
Klagepsalm
Bußpsalm
Weistheitspsalm
Wallfahrtspsalm
Die Psalmen stehen in der Bibel in folgenden Büchern:
1. Buch Davids (Psalm 1-41)
2. Buch Davids (Psalm 42-51)
3. Buch Davids (Psalm 52-119)
Wallfahrtsbuch (Psalm 120-150)
In der Liturgie kommen die Psalmen in der Hauptsache im Stundengebet, aber auch in der Eucharistiefeier im Wortgottesdienst vor. Wichtige Psalmen sind:
Psalm 1 Weisheit und Beten
Psalm 6 Klagepsalm
Psalm 22 Mein Gott, warum hast du mich verlassen (Karfreitag)
Psalm 23 Mein Hirt ist Gott der Herr
Psalm 33 Loblied auf Gott
Psalm 42 Wie der Hirsch schreit
Psalm 51 Erbarme dich meiner
Psalm 88 Klagepsalm
Psalm 96 Singet dem Herrn ein neues Lied
Psalm 100 Tempelpsalm für Dankopfer, Wallfahrtspsalm
Psalm 118 Haec dies (Ostern)
Psalm 130 Aus der Tiefe rufe ich Herr (Wallfahrtspsalm)
Psalm 136 Dankpsalm
Psalm 137 An Wasserfüssen Babylons
Psalm 150 Lobpsalm (Orgelweihe...)
Sequenzen:
Sequenzen sind aus dem Halleluja zusätzlich entstandene "Zwischengesänge". Die Texte stammen nicht aus der Bibel, sondern sind freie "Dichtung". Jeweils zwei Verse werden auf den selben "Melodietypus" gesungen. Daher bietet sich eine responsoriale Gestaltung an. Bis zum Konzil von Trient entwickelten sich mehr als 200 Sequenzen, von denen seit diesem Konzil noch 5 Sequenzen übrig geblieben sind:
Ostern "Victimae pascalis laudae" (Wipo von Burgund)
Pfingsten "Veni sancte spiritus" (Langton)
Fronleichnam "Lauda sion salvatorem" (Thomas von Aquin)
7 Schmerzen Mariens "Stabat mater dolorosa" (Jacapone da Todi)
Requiem "Dies irae" (Celano)
Die Sequenzen zu Ostern und Pfingsten sind verpflichtend vorgeschrieben, die anderen können gesungen werden. Das "Dies irae" wurde komplett aus der Eucharistiefeier herausgenommen und ins Stundengebet eingefügt. |