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Definition Litugie:
Das Wort Liturgie setzt sich zusammen aus "laos" oder "leiton" und "ergon" = "Dienst Gottes am Volk" oder "Werk Gottes für das Volk".
Liturgie wird von Kirche formal festgelegt. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist fast alles liturgisch, denn alles hat Heilswirkung. Es gibt drei Möglichkeiten auf den Ruf Gottes zu reagieren: Glaubenzeugnis (Martyria), Glaubensdienst (Diakonia) und Glaubensfeier (Leiturgia).
Kriterien
Liturgische Feiern müssen immer Struktur haben, es sind nie reine Addition von Gebeten, Texten und Liedern. Liturgie ist Versammlung zur Anrufung Gottes. Es gibt in jeder liturgischen Feiern einen Vorsteher (Diakon, Priester, Kantor, Laie!). Die Struktur sollte wenigstens sein: Lesung/Antwortgesang und Gebet.
Eigenschaften
Es gibt keine Liturgie ohne Gesang. Liturgie ist immer Gemeinschaft (wo zwei oder drei Kraft des Geistes versammelt sind) untereinander und mit Gott. Liturgie ist Gottes Werk, der Mensch reagiert nur darauf (dialogisches Prinzip). Das Einzelgebet ist keine Liturgie, sollte sich aber an der Liturgie orientieren. Liturgie ist "fons et culmen" = "Quelle und Ziel" christlichen Lebens.
Feste
Es gibt: Gottheitsfeste, Mysterienfeste, Zeitenfeste, individuelle Lebensfeste, historische Feste. Im Christentum: Christi-Mysterium - Sonntagsfeier = Memorie und Eschatologie. Die Regelmäßigkeit der Feste wird durch das Kirchenjahr geregelt.
Rangordnung der Feste: Sonntag, Ostern, Weichnachten, lokale Märtyrer, Hochfeste,
Feste, Gedenktage (g, G). Die Rangordnung der Feste kann im Direktorium nachgesehen werden.
Geschichte der Liturgie
Die Geschichte der Liturgie geht auf die Israeliten zurück. Christus hat ein neues Volk gesammelt und ist zum Eckstein geworden. Die Apostel bilden darauf den Tempel. Der Gottesdienst geht vom Volk aus und alle Getauften haben Zutritt zum Gottesdienst. In der Apostelzeit (1.-3. Jahrhundert) trafen sich die Gemeinden in der Woche zum gemeinsamen Gebet. Nur am Sonntag wurde "Eucharistie" [d.h. Lob des Vaters, Brotbrechung/Gedenken und Taufe] gefeiert. Quellen der urkirchlichen Liturgie sind: Die Paulusbriefe, Apokalypse, Apostelgeschichte, Justin und Hippolyt.
Im 4.-7. Jahrhundert bildeten sich Ortsliturgien in: Alexandrien, Antichochien, [Anaphora ohne Epiklese, Konzil von Ephesus nicht anerkannt aber Vesper, Laudes]
Byzanz (Konstantinopel), Jerusalem und Rom.
In der Ostkirche bildeten sich die folgenden Liturgien: armenisch, ägyptisch-koptisch, byzantinisch-griechisch, melktisch und syrisch.
In der Westkirche bildeten sich die folgenden Liturgien: altspanisch/westgotisch/mozarabrisch, altgallikanisch, ambrosianisch/mailändisch,
beneventonisch, römisch-fränkisch, altrömisch und keltisch.
Im 8. Jahrhundert [751-768 Pippin, 768-814: Karl der Große, 802 Aachener Synode]verdrängt die fränkisch-römische Liturgie alle anderen und beeinflußt Rom zurück.
Im Mittelalter entsteht die Klerikerliturgie. Das Volk war unbeteiligt. Daraus entstand ein größeres Schauverlangen des Volkes (z.B. Erhebung der Hostie und des Kelches bei der Wandlung) und neue Feste (z.B. Fronleichnam). Weitere Reformen der Liturgie waren das Konzil von Trient (1545-1563), das Motu Proprio von Pius X (1903), die Einführund der Karwoche und der Osternacht durch Pius XII (1951/1955) und das zweite Vatikanische Konzil (1963-1965), welches als größte Veränderung die Einführung der Muttersprache in die Liturgie zuließ und die Tätige Teilnahme des ganzen Volkes forderte (Actuosa Participatio).
Bücher der Liturgie
Meßbuch (Missale): Rollenbuch des Pristers mit Texten und Noten für Messe, Orationen, feierliche Vesper und Laudes
Lektionar: Lektor
Evangeliar: Diakon
Kyriale: Schola
Graduale: Kantor, Schola (da ab 12. Jh. alle Gesänge der Meßfeier enthalten)
Kanorale/Kantorenbuch
Psalterium mit 4 Wochen-Psalter
Antiphonale zum Stundengebet (Gesänge des Stundengebets fürs Kirchenjahr)
Vesperale
Stundenbuch: I. Advent, Weihnachten, II. Fasten- und Osterzeit, III. Im Jahreskreis
Hymnar
Gotteslob: Rollenbuch der Gemeinde
Kinderliederbücher (z.B."Kommt und Singt")
Jugendliederbücher z.B.("Unterwegs")
Direktorium
Liturgische Begriffe:
Amen: hebraäisch: So ist es! [nicht: So sei es!]
Zustimmung, Übernahme entweder kollektiv (Hochgebet) oder individuell (Kommunion)
wichtigste Akklamation
Doxologie kommt schon in Römerbriefen und Apokalypse vor
Andacht:
Andachten entstehen als Volks- und Individualbrauch gegen die Lateinische Messe, da die Menschen verstehen wollten, was geschieht.
Gewänder
Die Gewänder entstehen als Zeichen. Der Gottesdienst soll ein Fest sein, also entstehen Gewänder als Zeichen der festlichen Kleidung.
Die Priester bekommen als Amtszeichen Stola und Pallium (Schal mit Kreuzen)
Tunika/Albe bleibt trotz germanischen Einflusses: Hose und Rock
Dalmatik = festliches Obergewand
Latein als Sprache der Liturgie:
Die Sprache der Urgemeinde in Palästina war aramäisch. In den Urgemeinden in Rom und Nordafrika war die Sprache der Liturgie Griechisch (bis 3. Jh.) z.B. Hippolyt 235 (Koine). In den Ostkirchen war schon früh die Muttersprache erlaubt.
Ab Papst Damasus wird die liturgische Sprache durchgängig Latein: Hieronymus übersetzt die Bibel ins Lateinische.
Die Einflüsse der Ostkirche waren im 7.Jh. sehr groß. Daher wurde auch griechisch wieder in der Liturgie zugelassen. Zu diesem Zeitpunkt war also Griechisch und Lateinisch die "Amtssprache" der Liturgie.
Im Jahr 880 erlaubt Johannes VIII die Landesprache, aber Latein bleibt Liturgiesprache, Gregor VII verbietet Volkssprache ("Es ist nicht jedem gegeben Gottes Wort zu verstehen!")
Ab dem Mittelalter wurde der Wunsch nach Landessprache immer größer (in der Konsequenz entstehen Andachten und andere Liturgieformen in der Muttersprache sozusagen an der lateinischen Messe vorbei!). Das Konzil von Trient bleibt hart und bleibt bei der bisherigen Meinung.
Erst das Zweite Vatikanische Konzil lässt die Muttersprache in der Liturgie zu.
Entwicklung der Liturgie-Sprache:
Aramäisch - Griechisch - Lateinisch - Hebräisch - Muttersprache neben Latein
Beispiele
Maranatha, Hosanna, Amen, Halleluja
Ektenie:
inständige Gebete (Bitte um Frieden und Fürbitten) im byzantinischen Ritus
Heilig
im Kult: Mensch ist profan und wird durch Blick ins Heiligtum geheiligt
bei Christen: Jesus Christ ist "Heiliger Gottes"
Kreuz
von schändlichster Todesstrafe zum Heilszeichen, reicher Verzierung
ab 2. Jh. auf Gräbern
ab 4. Jh. durch Konstantin und seine Mutter Helena zum Symbol
ab 11. Jh. Einzug mit Kreuz, Altarkreuz
Romanik: Herr stehend mit Krone neben Kreuz, Frühmittelalter: 600-1000
(Karfreitag: Kreuzverehrung ab 7. Jh,)
Gotik: Kreuz als Leidenszzeichen der Bitter, Hochmittelalter: 1000-1300
Bischöfe: Brustkreuz ab 12. Jh. (Pektorale), Spätmittelalter: 1300-1500
(Buchdruck ab 1440)
Liturgiereform
Die Liturgie enthält unveränderliche und zu verändernde Teile je nach Umfeld und geschichtlich-kulturellen Wandel. Bräuche der einzelnen Völker müssen mit einfliessen. Veränderungen der Liturgie müssen sich aus dem Umfeld entwickeln und organisch wachsen. Dennoch ist eine Gesamtkompetenz (in Form von Überblick und Regelung) nötig, da sonst Eigenliturgien enstehen, die die Gesamtliturgie zerstören.
Bereits die Urgemeinde war sehr refominteressiert. In der Karolingerzeit hab es ebenfalls Reformen. Während des Mittelalters gab es keine Reformen (die Liturgie hat sich sehr lange Zeit starr gehalten).
Erst im 20. Jahrhundert wagte Pius X erste Schritte: Motu propio. Durch weitere Entwicklungen (vor allem in Deutschland: Maria Laach [Romano Guardini]; 1930 1. dt. Messe in Krypta, Jugendbewegung Burg Rothenfels) gab es die Notwendigkeit zu weiteren Reformen, die im Zweiten Vatikanischen Konzil beschlossen und zum Teil umgesetzt wurden.
Die wichtigste Formulierung des Zweiten Vatikanischen Konzils: Liturgie ist für das Volk da, nicht umgekehrt. Die Liturgische Bewegung muß constant bleiben. Weiterer gesprägter Begriff:
actuosa participatio = aktive (tätige) Teilnahme
Luzernar
meint: festliches Entzünden des Lichtes am Abend z.B. in Vesper, Roratemessen
Entstand als Einfluß des Sonnenkultes der Spätantike
Bedeutung für Christen: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
Fand sich ursprünglich nur in Osternacht zum Exsultet
Vater Unser
1. in Eucharistie:
nicht nur Brotbitte, sondern auch Vergebungsbitte
besteht aus 3 geistigen und 4 weltlichen Bitten
2) im Stundengebet:
schon im ältesten Stundengebet
Bendict betont Vergebungsbitte, morgens und abends
nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil: Ende jeder großen Hore
3) in Taufliturgie
ursprünglich nur für Getaufte
feierliche Übergabe mit Evangelien und Credo (heute wieder)
bei Kindern in Vorschau gebetet
Priesterlose Gottesdienste
Wortgottesdienste
Andachten
Tagzeitenliturgie
Kommunionspendung seit 1965 (zuerst Berlin) durch Laien möglich
klassisch lit. Aufbau:
Eröffnung
Wort
Gesang
Gebet
Schluß
Prozession
5 Bedeutungen:
a) Geleit
b) Wallfahrt
c) Demo, Verbildlichungen
d) Bringen
Gabenprozession
e) Ein- und Auszug
Prozessionsgesänge:
- ritusbegleitend: Introitus
Halleluja
Gaben
Communio
Auszug
Segen
= bezeichnen (mit dem Kreuz)
= Mitteilung göttlicher Lebenskraft
Jeder Getaufte und Gefirmte darf Segen aussprechen, doch Gott allein ist die Quelle allen Segens. Segen gespendet wird per Handauflegung oder mittels Reliquien, Monstranz.
Am häuifgsten ist der Schlußsegen:
meist unter Verbeugungsruf des Diakons
in Rom mittels Oration über alle Beteiligten: Segen vom Altar her
fränkisch-römischer Liturgie mit Schlußevangelium
ab Barock einfacher und dreifacher Segen
Abschluss immer durch Amen-Akklamation durch die "Gesegneten"
Weihrauch
Physikalisch: Rauchwolke der Harz-Verbrennung
Dient der Verbreitung von Düften und zur Desinfektion
Symbol für die Ehrung der Gottheit und Kaiser wurde von den Urchristen nicht genutzt.
Weihrauch fand erst eingang in die Papstliturgie. Dort wurde die Weihrauchpfanne vorher getragen. Daraus entstand dann die Inzensierung von Kirche, Kreuz und Altar.
Es gibt verschiedene Symbole in verschiedenen Riten:
- Bußritus: reinigend, verbrennend, sühnend, heiligend
- beim Evangelium: Duft und Ausbreitung der Botschaft versinnlichen
- bei Vesper: Dramaturgisierung des Weihrauch-Psalm 141: "Wie Weihrauch..."
Weihwasser
Weihwasser war nicht eine wirklich christliche Erfindung. Wasser zum Besprengen (und damit Segnen) von Gegenständen gab es auch in anderen Religionen.
Später erlangte Weihwasser auch andere Funktionen außer Segnen:
Im 4. Jahrhundert wurde Salz ins Weihwasser hinzugefügt. Der Grund hierfür war die Nutzbarmachung heidnischer Tempel für Christen.
Weitere Funkitionen des Weihwassers:
- Trinken als Exorzismus
- für Kirchen- und Altarweihen wurde extra Gregorius-Wasser geweiht
- Hausweihe, Felder- und Stallweihen zu bestimmten Terminen
- Asperges-Brauch
- (Tauf)wasserweihe in Osternacht
Konzile/Zeiten
313 Apostelkonzil
Christentum wird Staatsreligion
325 Nicäa
Christus = Gott
341-380 Verdikt von Laodizäa Gloria bleibt, obwohl Hymnus, erhalten
381 Konstantinopel
Hl. Geist = Gott
529 Synode von Vaison/Regel des hl. Benedikt Kyrie in Liturgie
1545 - 63 Trient 2 Punkte:
- Reaktion auf Reformation
- starke Reglementierungen gegen vorhandenen Wucher der Eucharistie und Sakramente
1869-70 Vaticanum I: Unfehlbarkeit des Papstes
1962-65 Vaticanum II |